Das neue Testament als Magazin

Tja, da lümmelt so ein (Blatt-)Macher irgendwo in einem Hotel herum, langweilt sich ein bisschen und will was lesen. Findet aber nix, außer ’ne Bibel, die da irgendwo rumliegt. Er fängt an zu schmökern und stellt fest, da stehen ja total abgefahrene Geschichten drin. Aber das kann sich ja kein Mensch antun. Alles so klein gedruckt und so gleich gewichtet. Er geht ins Bett und schläft.
Am nächsten Tag unter der Dusche hat er die zündende Idee: Die Bibel als Magazin rausbringen. Mit Kapiteln, Überschriften, Inserts … Gedacht, getan. Jetzt gibt es das Neue Testament als Magazin. Für 9,20 Euro. Manche behaupten, der Sinn würde sich jetzt auf ganz andere, neue Art erschließen. Testet es!

Och nö: Airens I am airen man.

„Die Hölle, so viel steht von Anfang an fest, ist nicht der Absturz, sondern das Mittelmaß.“ Von diesen Sätzen hätten wir gerne mehr, aber leider hat Airens zweiter Roman (nach Strobo) davon nicht allzu viel zu bieten.
Was macht Airen in der Fremde (Mexiko)?
Warum wird aus dem Berghainsumpf nicht so ’ne Kreißsaalgeschichte?
Warum chillig an der Costa Alegre und alles voll von ewig lächelnden Menschen?

… dabei von einem Drogenexess zum anderen Drogensex zu schlittern, macht die Sache nicht spannender. Keine intellektuell durchgestylte Großstadtmoviedrogenromanscheiße. Schade.

Ach ja, eins vielleicht noch: für Maschinenbaustudenten im fünften Semester mit Angst vor der totalen Spießigkeit dennoch eine echte Lese- und Lebensempfehlung. Prost!

Wirtschaftskrise ist keine Buchkrise

Das Buchjahr 2008 in Zahlen (Quelle dpa):
1. Der durchschnittliche Buchpreis liegt jetzt bei unter 13 Euro. Hardcover-Bücher kosten kaum mehr als Taschenbücher.
2. Es wurden über 1 Milliarde Bücher produziert, davon 94 000 Neuerscheinungen. Das sind immerhin 3,3 Prozent weniger (Neuerscheinungen) als 2007.
3. E-Book spielt immer noch gar keine Rolle. Selbst in Amerika, die uns in Sachen E-Book weit voraus sind, liegt der Marktanteil lediglich bei etwas über 1 Prozent.
4. Am besten laufen immer noch Romane und Krimis (32,3 Prozent). Danach kommt mit 15,1 Prozent die Ratgeberliteratur. Kinder- und Jugendbücher haben noch einen Anteil von 14.6 Prozent. Sachbücher: 9,3 %, Schul- und Lehrbücher 9,4 % und das Hörbuch stagnierte bei 4,8 Prozent Umsatzanteil.

60 Jahre, 60 Werke – 1 Jahr, 3 Werke

Berlin feierte sehr kurz 60 Jahre, 60 Werke und wir feiern ein ganzes Jahr lang 1959. Dieses Jahr, das als das goldene Jahr der deutschen Nachkriegsliteratur bezeichnet wird, bietet auch reichlich Anlass (und spaltet die Gemüter nicht so wie o. g. Werkschau). Gefeiert und erinnert wird an drei Autoren und diese Werke: Uwe Johnson „Mutmaßungen über Jakob“, Günter Grass „Die Blechtrommel“ und Heinrich Böll „Billiard um halbzehn“.
Wie man das Jubiläum (50 Jahre!) begehen will? So.

Lesen! wird Vorleser

Wie soll man leben? Was soll man lesen? Das sind die Fragen, die Kulturjournalisten in Krisenzeiten beschäftigen. Die Zweite wird zumindest bald beantwortet: Am Freitag (dem 10.7.) geht’s los. Zur Primetime (22.30 Uhr) treten Amelie Fried und Ijoma Mangold die Nachfolge der Heiden-Reich-Ranicki-Deutungshoheiten an. Der Anspruch ist löblich: Bei 80.000 Neuerscheinungen im Jahr braucht man schon einen oder zwei „Lotsen durch den Literaturdschungel“ (tv magazin stern), die einem sagen, was sich auf dem Nachttisch gut machen könnte. Ausgestrahlt werden soll die halbstündige Sendung 6 bis 8 Mal im Jahr.

Wer Amelie Fried ist, weiß jeder: im zweiten Leben Autorin, im ersten Moderatorin, u. a. der Sendung 3nach9 an der Seite von ZEIT Chefredakteur di Lorenzo.
Ijoma Mangold
kommt aus dem gleichen Stall wie Lorenzo. Er ist seit dem 1. April der Mann der zweiten Reihe im Zeit-Feuilleton und außerdem in allen namhaften Preisgremien des deutschsprachigen Literaturkarussells vertreten.

Bachmannpreis 2009

Mit den Preisträgern kann man leben, aber die rechte Begeisterung will sich nicht einstellen. Dennoch kann man (augenzwinkernd) grinsend auch wieder Vergnügen zugeben, diese immer etwas groteske Veranstaltung zu verfolgen.

Was fehlt:

  • etwas weniger ausgelutschte Themen
  • interessante Figuren
  • Jury-Enthusiasmus
  • weniger prätentiöse Porträtfilme (bitte keine Autor/in-am-Schreibtisch-Szenen mehr!)
  • fähigere Frauen

Bachmannpreis 2009 – zweiter Tag

Der 2.Tag und Teile der Jury enttäuschen weit mehr als die Texte.

Mit Ralf Bönt war ein Favorit auszumachen. Von dem wird man noch hören, meine ich und auch, dass seine Erzählung viel weniger mit Kehlmann zu tun hat als vor Ort und im Netz teilweise behauptet. Gutes Handwerk mit einem noch besseren Maß an Besonderheiten.

Ebenso hat Jens Petersen einen Eindruck hinterlassen und auch dieser würde einen Preis rechtfertigen.

Thematisch: Flüchtlinge, Naturwissenschaftler, Mietshausgeräusche, Krankheit und Tod = der alltägliche Querschnitt eben.

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Bachmannpreis 2009 – erster Tag

Tag 1 in Klagenfurt und die großen Texte kommen wohl erst noch. Ein wenig Kafka, reichlich „Ich-Sätze“ und die viel zu artige Jury…

Das österreichische (- natürlich!) Papiermampfen war der Pseudo-Höhepunkt und damit auch gleich der mitleiderweckende Tiefpunkt. Da hat wohl wieder einmal jemand seine 15 Minuten einzufordern versucht. Obwohl er doch eigentlich gar nicht sooo untalentiert geschrieben/gelesen hatte…

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