{"id":13,"date":"2007-07-04T21:03:41","date_gmt":"2007-07-04T19:03:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/uncategorized\/doris-dorrie-und-was-wird-aus-mir\/"},"modified":"2007-07-04T21:03:41","modified_gmt":"2007-07-04T19:03:41","slug":"doris-dorrie-und-was-wird-aus-mir","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/?p=13","title":{"rendered":"Doris D\u00f6rrie: Und was wird aus mir?"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"41yknnde8tl_aa240_.jpg\" href=\"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/41yknnde8tl_aa240_.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/41yknnde8tl_aa240_.thumbnail.jpg\" alt=\"41yknnde8tl_aa240_.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Von Britta Kuntoff<\/em><br \/>\nBuhrufe hat sie ihr eingebracht und Kritikerschelte, wurde gar von der Zeitschrift Opernwelt 2005 zum \u201e\u00c4rgernis der Saison\u201c gew\u00e4hlt: Die Rigoletto-Inszenierung, die Doris D\u00f6rrie am Bayrischen Nationaltheater in M\u00fcnchen auf die B\u00fchne brachte.<br \/>\nDie Filmemacherin (u.a. \u201eM\u00e4nner\u201c, \u201eHappy Birthday, T\u00fcrke\u201c und \u201eKeiner liebt mich\u201c) scheint kein H\u00e4ndchen f\u00fcr die Umsetzung von Guiseppe Verdis Oper vom buckligen Hofnarr Rigoletto zu haben. Zumindest keines, das beim Publikum auf Wohlwollen st\u00f6\u00dft.<br \/>\nUnd so \u00e4hnlich wird es ihr auch mit ihrem neuen Roman \u201eUnd was wird aus mir?\u201c gehen, bei der Verdis Geschichte wieder den Hintergrund der Handlung spielt. <!--more-->Hatte D\u00f6rrie auf der Opernb\u00fchne noch ihre Version der Story vom innigen Vater-Tochter-Verh\u00e4ltnis an die Handlung des Filmklassikers \u201eDer Planet der Affen\u201c angelehnt, so l\u00e4sst sie jetzt die Figuren im Roman in der Scheinwerfer- und Leinwand-Welt Los Angeles\u2019 agieren.<br \/>\nIm Buch begegnet man Johanna, deren Stern in einem einzigen Siebziger-Jahre-Film am Kinohimmel erstrahlte, die danach aufgrund fehlender Rollenangebote zwanzig Jahre lang als Requisiteurin arbeitete, bis ein vergessener blauer M\u00fcllsack sie zur Strecke brachte. Schmacherf\u00fcllt und Zuflucht suchend fl\u00fcchtet sie nach L.A., zu jenem Regisseur, der sie einst gro\u00df raus brachte. Der \u2013 wie Regisseure vor 30 Jahren das nun mal so taten &#8211;  eine abgewetzte schwarze Lederjacke zu viel zu engen Jeans trug. Denen, die jetzt immer noch nicht an Fassbinder denken, winkt D\u00f6rrie mit dem Namenswahl-Zaunpfahl: Rainer.<br \/>\nAus diesem ambitionierten K\u00fcnstler von damals ist heute ein Hitler-Sitcom-Komparse geworden. Seine Angst vor dem Altern ist nur noch der des Gustav von Aschenbach aus dem \u201eTod in Venedig\u201c vergleichbar.<br \/>\nRainer liebt seine Tochter Allegra abg\u00f6ttisch, eine f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige G\u00f6re mit Paris-Hilton-Sehns\u00fcchten, die von ihrer Model-Mutter aus dem heimatlichen Flensburg zu Papa nach Hollywood geschickt worden ist. Genau wie in der Oper verliebt sich die Tochter jedoch in den Falschen. Es braucht nur noch ein paar kurios-krude Zutaten wie den Produzenten Marko K\u00f6rner und seinen goldfarbenen Jaguar und Misako, den Geist eines japanischen M\u00e4dchens, das von einem Medium namens Heidi gechannelt wird \u2013 und heraus kommt eine echte Trag\u00f6die, fast wie in Hollywood. Die Leiche im Sack(-kleid) geh\u00f6rt zum Rigoletto-Finale und darf auch im Roman nicht fehlen.<br \/>\nJede Figur aus dem Personal des Romans ist umh\u00fcllt von Einsamkeit, unf\u00e4hig, diesen Kokon aufzubrechen. Alle sind damit besch\u00e4ftigt, ihre Fassaden aufrechtzuerhalten.<br \/>\nSelbst Klein-Lieschen ahnt: Die Filmindustrie ist ein Haifischbecken. Eine Welt aus Botox, Porzac, schneewei\u00dfgebleichten Z\u00e4hnen und Eigenfettimplantaten im Po. V\u00f6llig verroht, zynisch, brutal und dekadent. Da\u00df alle Personen des Romans versuchen, in dieser entmenschtlichten Gesellschaft zu \u00fcberstehen, ist ihre traurige Gemeinsamkeit.<br \/>\nObwohl Doris D\u00f6rrie die Charaktere mit drastischen Eigenarten versieht, von ihrem Innenleben erz\u00e4hlt, gibt es niemanden, mit dem man mitf\u00fchlt. Die Personen gewinnen selbst \u00fcber 420 Seiten nur unscharfe Konturen und bleiben schemenhaft. Mir jedenfalls fiel es schwer, mich ihnen zu n\u00e4hern.<br \/>\nVielleicht liegt das an ihrer allzu klischeehaften Ausstattung, die \u00e4hnlich konstruiert wirkt wie die Handlung des Buchs. Nicht nur, weil Strommasten in Swimmingpools fallen wie andernorts St\u00e4hlen von Bahnh\u00f6fen bei Sturm.<br \/>\n\u201eUnd was wird aus mir?\u201c hat mir nur wenig gefallen, genau wie D\u00f6rries letzter Kinofilm \u201eDer Fischer und seine Frau\u201c, bei der sie die Geschichte des gleichnamigen M\u00e4rchens adaptierte und in die Gegenwart versetzte. Die Idee, einen klassischen oder altbekannten Text in einen neuen Kontext zu transformieren, ist leider bei diesem Roman misslungen.<br \/>\nDas Buch ist \u00e4hnlich lesenswert wie eine fast verbrannte Steinofenpizza. Aber da w\u00e4ren wir ja wieder bei Verdi: Die Rigoletto-Oper ist selbst Laien im H\u00f6ren von klassischer Musik aus der Werbung f\u00fcr Tiefk\u00fchlprodukte bekannt: \u201eLa donna \u00e9 mobile\u201c.<\/p>\n<p>Doris D\u00f6rrie: Und was wird aus mir?<br \/>\nRoman, erschienen bei Diogenes 2007, 356 Seiten, 21,90 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Britta Kuntoff Buhrufe hat sie ihr eingebracht und Kritikerschelte, wurde gar von der Zeitschrift Opernwelt 2005 zum \u201e\u00c4rgernis der Saison\u201c gew\u00e4hlt: Die Rigoletto-Inszenierung, die Doris D\u00f6rrie am Bayrischen Nationaltheater in M\u00fcnchen auf die B\u00fchne brachte. 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