{"id":52,"date":"2008-10-08T17:44:09","date_gmt":"2008-10-08T15:44:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/?p=52"},"modified":"2008-10-08T17:44:09","modified_gmt":"2008-10-08T15:44:09","slug":"miranda-july-no-one-belongs-here-more-than-you","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/?p=52","title":{"rendered":"Miranda July: No One Belongs Here More Than You."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/july_cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-68\" title=\"july_cover\" src=\"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/july_cover-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/july_cover_dt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-69\" title=\"july_cover_dt\" src=\"http:\/\/www.buch-hoerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/july_cover_dt-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p><!--[if gte mso 9]><xml> <w:WordDocument> <w:View>Normal<\/w:View> <w:Zoom>0<\/w:Zoom> <w:HyphenationZone>21<\/w:HyphenationZone> <w:DoNotOptimizeForBrowser \/> <\/w:WordDocument> <\/xml><![endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\"><em>Es ist schon manchmal verr\u00fcckt, wie der Mensch funktioniert. Mal angenommen, ich eile durch die hektisierenden Einkaufsstra\u00dfen einer Gro\u00dfstadt und versuche, alles Wichtige im Kopf zu behalten, das es hier und jetzt unbedingt zu erledigen gilt. Bis pl\u00f6tzlich eine sehr nackte Frau vor mir steht, die mit lautem Geschrei Farbeimer \u00fcber ihrem Kopf auskippt, mit einer Kettens\u00e4ge herumfuchtelt, Feuer spuckt, sich dann mit w\u00fctendem Gesang auf dem Boden w\u00e4lzt und mit all dem um Aufmerksamkeit buhlt. Vielleicht schmunzelnd, vielleicht schulterzuckend werde ich an dieser Situation vorbei gehen und sie sofort wieder vergessen haben. Nicht, weil ich etwas gegen diese Art von Performance-Kunst habe, sondern weil mir das zu bunt, zu laut und zu pathetisch ist, wodurch ich das Gef\u00fchl habe, dass das alles rein gar nichts mit meinem Leben zu tun hat.<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\"><em>Was aber, wenn die Frau keine Kettens\u00e4ge und keine Wut mitgebracht hat? Was, wenn sie Feuer und Farbe, wenn sie alles L\u00e4rmende, Aufdringliche und Demonstrative f\u00fcr unn\u00f6tig gehalten h\u00e4tte?<span> <\/span>Wenn sie mich stattdessen schweigend, aber gr\u00fcndlich angesehen h\u00e4tte? DIREKT INS AUGE? Zwar h\u00e4tte ich wohl dennoch weiter gehen k\u00f6nnen. Aber ich bin sicher, dass es mir viel abverlangt h\u00e4tte, ihrem Blick standzuhalten, dass sie mich irritiert h\u00e4tte und noch eine ganze Weile besch\u00e4ftigt.<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\"><em>So bin ich auch wenn es um Erz\u00e4hlungen geht: das Plakative l\u00e4sst mich kalt. Richtig nah an mich ran kommt nur das Leise.<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\">Auch Miranda July hat sich mit Performance-Kunst einen Namen gemacht &#8211; allerdings selten laut, daf\u00fcr meistens deutlich. In ihrem Spielfilm \u201e<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WNPPgP81EOI\">Me And You And Everyone We Know<\/a>\u201c (2005) verwebt sie hintergr\u00fcndige Geschichten von leicht schrulligen Normalos auf der Suche nach Liebe. Und mit ihrem ersten Kurzgeschichtenband bleibt sie den leisen T\u00f6nen treu. <em><span lang=\"EN-US\">\u201eNo one belongs here more than you.\u201c <\/span><\/em><span>(2007)<\/span><em> \u2013 <\/em><span><a href=\"http:\/\/noonebelongsheremorethanyou.com\/00025\">hier<\/a> von der Autorin selbst vorgestellt)<\/span> <em><span> <\/span><\/em>(dt.<em>:<\/em> \u201e<em>Zehn Wahrheiten<\/em>\u201c) fordert seine Leser heraus, ohne diese durch dabei angewandten \u00dcbereifer zu verschrecken. Miranda July bietet ihnen wie jede\/r gute Autor\/in hinter jeder Geschichte viel Platz und Ansto\u00df zur Selbstreflektion, \u00fcberl\u00e4sst es ihnen aber selbst, ob sie diesen Weg wirklich gehen wollen. So k\u00f6nnte man sich nat\u00fcrlich auch einfach zur\u00fccklehnen, um die Figuren dieser kurzen Erz\u00e4hlungen als schrullig, bedauernswert und einsam zu betrachten, um ihre Eigenheiten zu bel\u00e4cheln oder dar\u00fcber die Nase zu r\u00fcmpfen. Oder man l\u00e4sst ein bisschen Gr\u00fcbelei zu und fragt sich, wie nah man unter der Oberfl\u00e4che doch eigentlich selbst dran ist an all dieser Kauzigkeit, Verunsicherung<span> <\/span>und Suche nach Liebe.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\">In jeder der 16 Geschichten erlebt man skizzierte Figuren in skizzierten Situationen, die allerlei Vergangenheit mit sich rumschleppen. Meist sind sie mitten in den Drei\u00dfigern, aber noch nirgendwo richtig angekommen. Mal sorgt man sich um sie, mal wird man von ihnen \u00fcberrascht. Oft benehmen sie sich eigenartig, aber immer glaubt man zu ahnen, warum. Sie sind keine ach so guten oder schlechten Menschen, weder Helden, die einfach alles schaffen, noch kann man sie \u201eLooser\u201c nennen oder komplett Gescheiterte. Sie sind Menschen, die vielleicht zu viel allein sind, die zu viel nachdenken und Sicherheit suchen. Denn dass das mit den Gef\u00fchlen immer absolut schillernd und gro\u00dfartig und perfekt zu sein hat und das mit dem Sex sowieso bekommen wir von der Pop-Kultur doch t\u00e4glich aufgedr\u00e4ngt, wodurch ein vielfaches Scheitern an diesen Ma\u00dfst\u00e4ben im Grunde f\u00fcr jede\/n unausweichlich ist. Damit kommt der eine gut zurecht, der andere eben weniger.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\">So werden in <em>\u201eIt Was Romance\u201c\/\u201cEs war Romantik\u201c<\/em> Kursteilnehmerinnen dabei beschrieben, wie sie lernen wollen, romantischer zu sein, ungew\u00f6hnlicherweise in einem Samstagslehrgang voller entsprechender \u00dcbungen und Mantras. Bis in der Pause deren Einsamkeit offensichtlich wird und die Unbeholfenheit im Umgang mit sich selbst und anderen. Alles m\u00fcndet in einem wirklich r\u00fchrenden Moment, der wiederum von reichlich unbeholfenem Schmerz umgeben ist. Was genau das Ergebnis dieser Szene f\u00fcr deren zwei Hauptpersonen ist, muss dabei am Ende meinen Ahnungen als Leser\/in \u00fcberlassen bleiben.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\">Die Sprache erscheint mir ausgefeilt und doch unbem\u00fcht und frei von krampfhaft erzeugter Symbolik. Mal sehr direkt, mal voller Poesie. Ohne ironische Distanz, ohne peinliches Pathos. Und irgendwie ist alles klein: die S\u00e4tze, die Leute, die Dramen. Erst dahinter schimmert dann das Gro\u00dfe, was diese Geschichten so unglaublich gut macht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\">Aber auch anstrengend. So muss ich zugeben, dass mich diese Lekt\u00fcre irgendwie ersch\u00f6pft hat, dass ich immer mal wieder Pausen brauchte zwischen den einzelnen Erz\u00e4hlungen. Und nein, gute Laune habe ich nicht bekommen vom Lesen in diesem Buch, aber auch nicht deren Gegenteil. Vielmehr empfand ich \u2013neben einer nachdenklichen Aufgew\u00fchltheit &#8211; durchaus auch ein Gef\u00fchl tiefer Zufriedenheit, weil ich fand, etwas wirklich Gro\u00dfartiges gelesen zu haben.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\">Auch weil die Autorin in Mikro-Details noch Dramatisches zeigen kann.<span> <\/span>Weil der Humor nie flach ist oder auf Kosten der Figuren. Und<span> <\/span>weil ich am Ende immer wieder Hoffnung mitschwingen zu sp\u00fcren glaube.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\">Und noch ein wunderbares Gef\u00fchl bleibt: hier wird niemand karikiert und verraten. Hier wird nicht geurteilt und nicht bewertet \u2013 nicht \u00fcber die Protagonisten und auch nicht \u00fcber die Leser. Vielmehr weht eine Z\u00e4rtlichkeit durch die Zeilen, die den Blick direkt ins Auge (und deren Wirkung dicht dahinter) ertr\u00e4glich macht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\">\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin-bottom: 0.0001pt;\"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--><\/p>\n<ul>\n<li><strong>dazu h\u00f6ren:<\/strong> \u201eIn The End\u201c von Scott Matthew <em>(<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PDDZcpSJSJY\">youtube<\/a>)<\/em><br \/>\n<object width=\"425\" height=\"344\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/PDDZcpSJSJY&#038;hl=en&#038;fs=1\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/PDDZcpSJSJY&#038;hl=en&#038;fs=1\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" width=\"425\" height=\"344\"><\/embed><\/object><\/li>\n<li><strong>dazu ansehen:<\/strong> Miranda Julys <a href=\"http:\/\/mirandajuly.com\/\">Website<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon manchmal verr\u00fcckt, wie der Mensch funktioniert. 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