Tannöd von Andrea Maria Schenkel

21yaaxq099l_aa180_.jpg

Na, es wurde ja auch mal Zeit. Seit Monaten nun steht Kehlmanns: Vermessung der Welt auf Platz Eins der Spiegel-Bestseller-Liste. Man fragte sich bereits: Wird es jemals einen Autor geben, der den Liebling der Lesenation auf die hinteren Plätze verweist? Ja, es gibt jemanden. Die Debütantin Andrea Maria Schenkel pustet mit dem Hinterweltlerdrama Tannöd die Vermessung einfach weg und räumt außerdem noch schnell den Deutschen Krimipreis 2007 ab. Zwar zogen indes düstere Wolken am oberbayrischen Nachkriegshimmel auf, doch den Leser stört’s nicht: er kauft und liest und kauft und liest …

Worum geht’s?
Sie nennen ihn nur noch den Mordhof, den einsam gelegenen Hof der Danners in Tannöd. Eine ganze Familie wurde in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Gemocht hat sie kaum jemand, mürrische, geizige Leute waren sie und den ein oder anderen hat der alte Bauer wohl auch übers Ohr gehauen. Aber selbst die Kinder wurden grausam ermordet, und so geht die Angst um im Dorf, denn vom Mörder fehlt jede Spur. Unheimlich wird es, weil man jeden Schritt des Mörders mit verfolgt, ihn beobachtet bei seinen alltäglichen Verrichtungen, ohne seine Identität zu kennen. Die spannende Unruhe, die einen bis zum Ende nicht verlässt, löst sich erst auf, wenn das Mosaik komplett ist. Die Autorin (…) zeichnet schonungslos und eindrücklich das Porträt einer bigotten und ganz und gar nicht idyllischen dörflichen Gemeinschaft mit einem traumatischen Beziehungsgeflecht, das schließlich zum Mord führt. Dem Buch liegt ein ungeklärter Mordfall an einer Bauernfamilie zugrunde. (Klappentext)

Was noch gesagt werden muss!
Stilistisch sehr durchgefeilt. Ungewöhnliche Dramaturgie: Die Geschichte setzt sich aus Erzählpassagen und Interviews mit 17 Dorfbewohnern zusammen (von der achtjährigen Betty bis hin zu Beamtenwitwe Babette Kirchmeier, 86 Jahre). Wie ein roter Faden zieht sich derweil die „Litanei zum Troste der armen Seelen“ durch das Werk, deren Fürbitten die Gnade Gottes für alle Sünder dieser Welt anruft.

Weitere Links zu dem Thema:
1. “Tannöd”: Klage wegen Urheberrechtsverletzung auf krimiblog.de

2. Vorlage

Trotz allem, die Bücherfrau urteilt: überbewertet. Deshalb nur anderthalb Punkte von fünf.

Ein Gedanke zu „Tannöd von Andrea Maria Schenkel

  1. Gibt’s natürlich auch als Hörbuch, 3 CDs, gelesen von Monica Bleibtreu, ungekürzte Lesung, 207 Minuten (DEUTSCHER HÖRBUCHPREIS 2007 Kategorie: Beste Interpretin)

Schreibe einen Kommentar zu Dörte Brilling Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.